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Wir leben nicht, um zu arbeiten – wir arbeiten, um zu leben. Zukunftsorientierte Unternehmen versuchen alles, um ihre Mitarbeiter bei Laune zu halten und gleichzeitig das Wachstum des Unternehmens zu sichern. Ein Weg, den viele Branchen gehen, ist die Automatisierung.


Während eine gesunde Work-Life-Balance für jeden etwas anderes bedeuten kann, ist eines sicher: Niemand ist gern gestresst oder gelangweilt. Muss man innerhalb eines siebenstündigen Arbeitstags zu viele Aufgaben erledigen, kann das schnell zu Stress führen, und dieser Stress kann sich negativ auf persönliche Beziehungen, Gesundheit und Zufriedenheit auswirken. Außerdem können Menschen sich unerfüllt und unmotiviert fühlen, wenn sie Tag für Tag die gleichen repetitiven Aufgaben erledigen.

Automatisierung kann hier eine Lösung sein.

Robots improving worklife balance

Credit: Ioannis Oikonomou


Die globale Produktivität durch die Automatisierung in den nächsten 50 Jahren jährlich um 0,8 bis 1,4 % steigen wird

McKinsey

Robotik und künstliche Intelligenz haben zwar schon in den letzten zwei Jahrzehnten langsam in verschiedenen Branchen Einzug gehalten, in den letzten Jahren hat sich ihre Leistungsfähigkeit jedoch explosionsartig gesteigert. Heute verändern Automatisierung und innovative Technologien Unternehmen aller Größen und Branchen.

McKinsey prognostiziert, dass die globale Produktivität durch die Automatisierung in den nächsten 50 Jahren jährlich um 0,8  bis 1,4 % steigen wird. Dies stellt einen großen Anstieg dar, insbesondere auch im Vergleich zum Produktivitätswachstum durch die Dampfmaschine (0,35 % in den Jahren 1850 bis 1910), die frühe Robotik (0,36 % in den Jahren 1993 bis 2007) und die Informationstechnologie (0,6 % in den Jahren 1995 bis 2005).

Lassen Sie uns daher einen Blick darauf werfen, wie die Automatisierung bereits heute die Produktivität von Unternehmen und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert.

Apis Cor 3D-Drucker

Apis Cor 3D printer
Credit: Fizpaket (Own work) [CC BY-SA 4.0]

Branche: Baugewerbe

Tätigkeit: Bauarbeiter

Wie:

Apis Cor, ein Start-up-Unternehmen aus San Francisco, hat kürzlich mit 3D-Drucktechnologie in nur 24 Stunden ein ganzes Haus gebaut. Ein mobiler 3D-Drucker erstellte die Betonwände, Trennwände und das Dach für das auf einem Testgelände in Russland erbaute Haus. Menschliche Handarbeit war lediglich nötig, um das Gebäude zu streichen und Verkabelung, Isolierung und Bedachungsmaterial zu installieren. Das Ergebnis war ein 37 Quadratmeter großes Gebäude.

Laut Apis Cor belaufen sich die Kosten für den Bau des Hauses auf ungefähr 10.134 Dollar. Außerdem gibt das Unternehmen für das Haus eine Lebensdauer von 175 Jahren an. Das Unternehmen erhofft sich, dass die Häuser bei Naturkatastrophen für die Unterbringung der betroffenen Menschen eingesetzt werden können.

„Wir wollen Menschen auf der ganzen Welt dabei helfen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Deshalb muss der Bauprozess schneller und effizienter werden, dabei aber qualitativ hochwertig bleiben. Um das zu erreichen, müssen wir die schwere Arbeit an intelligente Maschinen delegieren.“

— Nikita Chen-yun-tai, Gründer von Apis Cor

Roboter Da Vinci

Da Vinci surgical robot
Credit: ©2016 Intuitive Surgical, Inc. [CC BY-SA 3.0]

Branche: Medizin

Tätigkeit: Chirurg

Wie:

Das Da Vinci Operationssystem ist ein roboter-assistiertes Chirurgiesystem, das schwierige chirurgische Aufgaben minimalinvasiv und präziser als mit der menschlichen Hand ausführen kann. Im Gegensatz zur menschlichen Hand ermüdet der Roboterarm auch bei mehrstündigen Eingriffen nicht und kann somit über längere Zeit ruhig arbeiten und das Personal während des Eingriffs entlasten.

Obwohl es die Technologie bereits seit einigen Jahren gibt, ist sie – dank niedrigerer Produktionskosten – in Krankenhäusern erst seit kurzem finanziell realisierbar. Kürzere Operationszeiten und Personaleinsparungen bei Operationen könnten dabei helfen, den Herausforderungen einer alternden Bevölkerung und eines weltweiten Mangels an medizinischem Fachpersonal zu begegnen.

„Die Roboterchirurgie ist eine zukunftsweisende Entwicklung, mit der die Ergebnisse für die Patienten verbessert und Komplikationen reduziert werden können. Außerdem können Patienten, deren Beschwerden bisher nicht operierbar waren, davon profitieren.”

—Alistair Chesser, Chief Medical Officer im St Bartholomew’s Hospital

Heliograf, das automatisierte Storytelling-Tool

Courtesy of Joey Marburger via Nieman Lab

Branche: Journalismus

Tätigkeit: Reporter

Wie:

Während der Olympischen Spiele 2016 in Rio berichtete der Heliograf erstmals für die Washington Post über den Medaillenspiegel. Jetzt berichtet er vorwiegend über die Ergebnisse der Kongresswahlen und Fußballspiele in kleineren Ligen.

Die Funktionsweise ist einfach: Redakteure erstellen narrative Vorlagen, die relevante Formulierungen enthalten. Ein Bot wird mit einer Quelle für strukturierte Daten (z. B. Umfragedaten oder Spielergebnisse) verbunden und schreibt und veröffentlicht dann automatisch Artikel.

Die Washington Post hofft, dass die Redaktion durch das Tool effizienter wird und Journalisten sich auf das Schreiben von Artikeln konzentrieren können, die mehr Kreativität und menschliche Intelligenz erfordern.

„Wir sind von Natur aus skeptisch bei jeder Technologie, die den Menschen ersetzen könnte, aber diese Technologie hat nur einen Teil der Routinearbeit übernommen.“

—Fredrick Kunkle, Redakteur bei der Washington Post (in Wired)

Max, die Roboter-Apotheke

Credit: Will Chemists via chemistanddruggist.co.uk

Branche: Medizin

Tätigkeit: Arzneimittelabgabe

Wie:

In einer familiengeführten Apotheke in Schottland werden Medikamente nicht mehr von Menschen, sondern von einem Roboter ausgegeben. Galen Will, Chemiker und Apotheker und Leiter von Will Chemists, erklärte im Gespräch, dass das Volumen der ausgegebenen Arzneimittel seit der Installation des Roboters von durchschnittlich 8.000 auf 17.000 pro Monat gestiegen sei. Zudem haben sich die Wartezeiten und Dosierfehler stark reduziert.

Diese Effizienz im Service hat zu einem Nachfrageschub geführt, der die Apotheke dazu veranlasst hat, zwei weitere feste Mitarbeiter einzustellen. Und Dank des automatisierten Dosierprozesses haben die Apotheker mehr Zeit für ihre Patienten.

„Keine Frage, der Umsatz ist in die Höhe geschnellt.“

—Galen Will, Leiter von Will Chemists

CATCH Projekt

Credit: © Fraunhofer IPK

Branche: Landwirtschaft

Tätigkeit: Gurkenernte

Wie:

In Deutschland ist die traditionelle Gurkenernte arbeitsintensiv, unwirtschaftlich und unangenehm. Es werden Landfahrzeuge mit der Bezeichnung „Gurkenflieger“ eingesetzt. An den Fahrzeugen sind links und rechts tragflächenartige Plattformen aufgehängt. Auf diesen Tragflächen liegen die Erntehelfer bäuchlings nebeneinander und pflücken die Gurken per Hand, während das Fahrzeug über das Feld fährt. Da die Kosten für die Einstellung von Saisonarbeitern steigen, werden Gurken heute oft importiert und nur noch selten lokal angebaut.

Ein Dual-Arm-Roboter wurde nun erfolgreich getestet, um den Pflanzenanbau in Deutschland rentabel zu halten. CATCH steht dabei für „Cucumber Gathering – Green Field Experiments“ und ist ein von der EU gefördertes Projekt. Mit einer intelligenten Bildverarbeitung kann der Roboterarm reife Gurken mit einer Genauigkeit von 95 % erkennen, während modernste Steuermechanismen dafür sorgen, dass der Roboter die Früchte schonend pflückt, ohne sie zu beschädigen.

„Der Roboter kann z. B. Blätter mit symmetrischen oder asymmetrischen Bewegungen oder kongruenten und inkongruenten Bewegungen zur Seite schieben. Dadurch kann er automatisch die Richtung ändern, um sich einer Gurke zu nähern und sie dann zu greifen.“

—Dr. Dragoljub Surdilovic, Forscher, Fraunhofer-Institut

Es besteht kein Zweifel daran, dass sich der Arbeitsplatz von morgen stark von unseren heutigen Arbeitsplätzen unterscheiden wird. In den ersten Stadien der Automatisierungsrevolution übernehmen Roboter wohl eher einzelne Aspekte eines Tätigkeitsbereichs, ersetzen dabei aber nicht den gesamten Arbeitsplatz. Das sind gute Nachrichten für alle, die weniger Verwaltungsarbeit und mehr erfüllende Arbeit erledigen wollen. Aber vielleicht auch enttäuschende Nachrichten für diejenigen, die gehofft hatten, dass ihre Kollegen durch einen kollaborativen Roboter ersetzt werden.