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Das Zeitalter der selbstfahrenden Fahrzeuge steht vor der Tür. Unternehmen wie Tesla, General Motors, Uber und Waymo von Google wetteifern darum, das erste voll funktionsfähige autonome Level-5-Fahrzeug auf die Straße zu bringen.


Rutschen Sie rüber, Ihr Platz ist nicht mehr hinter dem Lenkrad. Selbstfahrende Autos kommen, ob wir dafür bereit sind oder nicht. Und sie werden die Regeln des Straßenverkehrs neu schreiben.

Während die jüngste Tragödie in Arizona uns definitiv dazu veranlasst, ihre derzeitigen Fähigkeiten in Frage zu stellen, müssen wir bedenken, dass sich die Technologie noch in der Entwicklungsphase befindet. Hinzu kommt die hohe Zahl der Todesopfer, die jedes Jahr durch menschliche Fahrer verursacht werden.

Die Wahrheit ist, dass vorhersehbare, intelligente Maschinen – wenn die Technologie ausgereift ist – zweifellos bessere und sicherere Fahrer sein werden als wir. Und zwar aus folgendem Grund:

Google's Waymo

Quelle: Waymo


Selbstfahrende Autos können ihre Umwelt auch nachts in bis zu 250 Metern Abstand erfassen, im Vergleich zu 45 Metern beim Menschen

Sie verfügen über überlegene Rundumsicht 

Szenario: Sie sind nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Auto unterwegs. Auf den Straßen ist viel los und überall sind Fußgänger. Als Sie gerade links abbiegen wollen, taucht plötzlich ein Motorradfahrer von der Seite auf. Können Sie ihn sehen?

Selbstfahrende Autos: Selbstfahrende Autos verwenden Kameras und Sensoren sowie Lidar, um die sie umgebende Welt zu „sehen“. Tesla bevorzugt erstere, während Unternehmen wie Waymo von Google und Uber in letztere investieren. Lidar sendet Millionen von Lichtstrahlen pro Sekunde aus und misst deren Laufzeit, um genaue 3D-Karten zu erstellen. Anhand der gesammelten Daten ist das intelligente Computersystem des Fahrzeugs in der Lage, Objekte zu identifizieren, Verhalten vorherzusagen und darauf zu reagieren.

Warum es besser sein wird: Auch wenn Menschen ziemlich gut sehen und verarbeiten können, was um sie herum geschieht, ist ihr Gesichtsfeld immer begrenzt. Neben einer 360-Grad-Rundumsicht können selbstfahrende Autos ihre Umwelt auch nachts in bis zu 250 Metern Abstand erfassen, im Vergleich zu 45 Metern bei Menschen. Außerdem verfügen sie über eine Abstandserkennung bis +-2 cm und können mit Hilfe moderner Laser sogar um die Ecke sehen.

Sie bremsen rechtzeitig

Szenario: Sie fahren auf der Autobahn und ohne Vorwarnung kommt vor Ihnen ein Auto zum Stehen. Können Sie schnell genug bremsen, um einen Aufprall zu vermeiden?

Selbstfahrende Autos: Wenn kein menschlicher Fahrer hinter dem Steuer sitzt, wird in selbstfahrenden Autos die Funktion der automatischen Notbremsung (Automatic Emergency Braking, AEB) zum Einsatz kommen, die bereits heute in Fahrzeugen verwendet wird. Im Wesentlichen leiten die Kameras und Lasersensoren des Fahrzeugs die Daten an ein digital gesteuertes Bremssystem weiter. Werden Hindernisse oder Fahrzeuge und die Gefahr einer möglichen Kollision erkannt, verarbeitet das System die Informationen neben anderen Faktoren wie dem Straßenzustand und reagiert entsprechend.

Warum es besser sein wird: Menschen sind sicherlich in der Lage in Gefahrensituationen auf die Bremse zu treten. Wir alle kennen diese Beinaheunfälle, in denen das Adrenalin durch unseren Körper schießt.  Aber auch diejenigen unter uns mit superschnellen Reflexen können nicht ganz mit der Leistung einer Maschine mithalten. Laut Wired benötigen Menschen 1,6 Sekunden, um ein Auto auf trockener Straße zu stoppen, während ein selbstfahrendes Auto in nur 0,5 Sekunden zum Stehen kommt.

Sie halten sich immer an die Regeln

Szenario: Sie sind nach einem langen Arbeitstag müde, hatten einen Streit mit Ihrem Chef und haben eine 50-minütige Fahrt vor sich. Sind Sie in der Lage so zu fahren, wie Sie es sollten?

Selbstfahrende Autos: Die Verkehrsvorschriften werden in den Zentralrechner des Autos programmiert. Dazu gehören Geschwindigkeitsbegrenzungen, der einzuhaltende Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und die Regeln für Kreisverkehre. Darüber hinaus ermöglichen Bildsensoren und AI-gestützte Computersysteme die Interpretation von Verkehrszeichen, Ampeln und Fahrbahnmarkierungen und eine entsprechende Reaktion auf diese.

Warum es besser sein wird: So gut wir auch glauben zu fahren, die Realität ist, dass Menschen bei der Befolgung von Regeln nicht immer konsequent sind. Wir werden müde und verlassen unsere Fahrspur. Wir werden wütend und fahren zu schnell. Wir werden abgelenkt und halten nicht an Fußgängerüberwegen. Für Roboter gilt das nicht. Sie halten die Geschwindigkeitsbegrenzung ein, folgen genau dem Verlauf der Straße und fahren nicht über rote Ampeln.

Sie wissen immer, was vor ihnen liegt

Szenario: Es ist ein schwerer Unfall passiert. Alle Fahrspuren sind blockiert und der Verkehr beginnt sich zu stauen. Sind Sie sich dessen bewusst und haben Zeit Ihre Route zu ändern?

Selbstfahrende Autos: Dank des blitzschnellen 5G, Kameras, KI und 3D-HD-Mapping (V2X) wissen selbstfahrende Autos jederzeit, was vor ihnen liegt. Mit Hilfe der Chip-Technologie erhalten selbstfahrende Autos sowohl Daten voneinander (V2V) als auch von der Straßenverkehrsinfrastruktur (V2I) wie Ampeln, Verkehrszeichen und Fußgängerschutzvorrichtungen, um immer einen Schritt voraus zu sein.

Warum es besser sein wird: Abgesehen von den lokalen Meldungen zur Verkehrslage sind die Menschen in der Regel blind für das, was in einiger Entfernung vor ihnen auf der Straße passiert. Unfälle, Baustellen oder Eisflächen auf der Straße werden in der Regel erst erkannt, wenn es bereits zu spät ist. Zum Vergleich: Selbstfahrende Fahrzeuge sind sich all dieser Dinge in Echtzeit bewusst und können ihre Route ändern, um Probleme oder Verzögerungen zu vermeiden.

Quelle: Ioannis Oikonomou


Unabhängig davon, ob es sich um eine utilitaristische Entscheidung oder um eine Priorisierung der Umwelteffizienz handelt, verhalten sich selbstfahrende Autos konsequent auf der Grundlage vereinbarter Prinzipien

Robots will drive better than humans

Sie treffen die richtige Entscheidung

Szenario: Sie fahren auf einer vielbefahrenen zweispurigen Straße, als plötzlich ein Kind vor Ihnen auf die Fahrbahn läuft. Können Sie ihm ausweichen, ohne mit anderen Verkehrsteilnehmern zu kollidieren?

Selbstfahrende Autos: Dank moralischer Entscheidungsalgorithmen, die in die intelligenten Computersysteme programmiert sind, können selbstfahrende Autos in Gefahrensituationen ethische Entscheidungen treffen. Während des Entscheidungsprozesses helfen Kameras und andere Sensoren sowie maschinelles Lernen bei der Interpretation und Bewertung der Situation, um das beste Ergebnis zu erzielen.

Warum es besser sein wird: Menschen müssen im Straßenverkehr oft innerhalb von Sekunden moralische Entscheidungen treffen, was dazu führen kann, dass sie unberechenbar und egoistisch handeln oder mehr Menschen verletzen. Selbstfahrende Autos hingegen verhalten sich konsequent auf Grundlage der in einer Gesellschaft vereinbarten Prinzipien. Dies kann bedeuten, dass sie immer die utilitaristische Entscheidung treffen oder der Umwelteffizienz Vorrang vor der Leistung einräumen.

Mit überlegener Rundumsicht, blitzschnellen Reaktionen, uneingeschränkter Regelkonformität und ihrer Fähigkeit, Informationen über die Strecke vor ihnen abzurufen und ethische Grundsätze zu berücksichtigen, werden Roboter nicht nur die besseren Fahrer sein – sie werden den Straßenverkehr auch sicherer und fairer machen.