9 min read

Jetzt, da Roboter immer mehr Aufgaben in der Lieferkette übernehmen, brechen für die Logistikbranche aufregende Zeiten an.


Ein Produkt wählen, es in den Warenkorb legen, bezahlen und auf das Paket warten. Für den Kunden ist das ein einfacher Prozess. Im Hintergrund ist die logistische Aufgabe, Waren zur Haustür oder in den Laden zu liefern, seit dem Aufkommen des e-Commerce jedoch sehr viel komplexer geworden.

Die vorrangige Frage in den Besprechungsräumen von Logistikunternehmen lautet: Wie können wir schneller und effizienter werden, ohne dass dies die Servicequalität beeinträchtigt?

Jetzt haben sie die Antwort gefunden: mit dem Einsatz intelligenter Maschinen, wie es in der Produktion schon seit Jahren üblich ist.

Der Einsatz von Robotern hat in dieser Branche gerade erst begonnen. Tractica erwartet aber, dass der weltweite Markt für Lager- und Logistikroboter bis 2021 19,2 Milliarden Euro erreichen wird. Aber wie wird sich das auswirken?

Sehen wir uns die Zukunft der Logistik vom Transport bis zur Lieferung an den Endkunden an.

Zum Twittern hier klicken.

Transportwesen

Autonome Schiffe und Lkw

Waymo self driving trucks

Quelle: Waymo

Der Transport von Waren von den Fabriken in die Lager und Verteilzentren ist eine logistische Mammutaufgabe.

Aber mit autonomen Lkw und Schiffen, einschließlich Kameras, Laser- und GPS-Systemen, die jetzt getestet werden, wird sich dieser Teil der Lieferkette bald drastisch verändern.

Im März dieses Jahres hat Waymo ein Pilotprojekt gestartet, das sich auf selbstfahrende Lkw und automatisierte Logistik konzentriert. Tatsächlich stehen die intelligenten großen Sattelzüge schon bereit, um Googles Rechenzentren in Atlanta zu beliefern. Im Moment benötigen sie noch einen Fahrer zur Sicherheit, aber irgendwann werden sie allein fahren.

Auch auf dem Meer steht die Einführung von autonomen Frachtschiffen unmittelbar bevor. Das norwegische Unternehmen Massterly hat die Yara Birkeland entwickelt, das erste vollständig elektrische und autonom fahrende Containerschiff.  Es ist 37 Meter lang, kann 120 Container befördern und diese sogar ohne Mannschaft laden und entladen.

Diese Lkw und Schiffe werden große Effizienzsteigerungen und Einsparungen ermöglichen. Sie sind rund um die Uhr in Bewegung, nehmen immer die schnellste Route und verkürzen die Lieferzeiten. Außerdem werden keine Menschen mehr auf der Straße oder auf dem Meer benötigt. Deren Rolle wird stattdessen technischer: Sie behalten die Navigation über ein Überwachungssystem aus einer Entfernung von Tausenden von Kilometern im Auge.

Lieferung an den Endkunden

Drohnen

Airbus Skyways

Copyright: Airbus 2018/Photo: S Ramadier

Anfang diesen Jahres wurde Airbus Skyways, ein unbemanntes Luftfahrzeug, das Pakete zu Kunden in Stadtgebieten liefern soll, das erste Mal in Singapur eingesetzt und bewies, dass es dieser Aufgabe gewachsen ist.

Nach dem Start von einem Kontrollzentrum dockte es an einer speziellen Paketstation auf einem Dach an, wo es über einen Roboterarm beladen wurde, bevor es wieder abhob. Dies war ein Erfolg für das Unternehmen und ein großer Schritt hin zu Lieferungen per Drohne.

Airbus sind nicht die Einzigen, die den Traum von der Logistikdrohne wahr werden lassen wollen. Amazon und UPS investieren ebenfalls viel Geld. Amazon testet im Moment an verschiedenen Orten, unter anderem in Großbritannien, die Lieferung zum Kunden innerhalb von 30 Minuten mit Prime Air. UPS führt Tests mit HorseFly durch, einem unbemannten Luftfahrzeug, das von einem Fahrzeug aus startet.

Mit Drohnen können große Effizienzsteigerungen in der Lieferung an den Endkunden erreicht werden, die dann an den Kunden weitergegeben werden können. Sie könnten die Waren nicht nur schneller, sondern auch zu einem Bruchteil der Kosten liefern. UPS schätzt, dass das Unternehmen etwa 43 Millionen Dollar pro Jahr einsparen könnte.

 

 „Die sichere und zuverlässige innerstädtische Lieferung auf dem Luftweg wird in der nahen Zukunft möglich sein, und Airbus sieht sich als Vorreiter bei diesem Unterfangen.“

Alain Flourens, Executive Vice President of Engineering und Chief Technical Officer von Airbus Helicopters

Selbstfahrende Roboter

Lieferroboter, die plötzlich vor Ihrer Tür stehen, sind aktuell eher noch eine Spielerei. Sie könnten aber schon bald ein alltäglicher Anblick werden, der die Lieferung an den Endkunden grundlegend ändern wird. Einige Startups, darunter Teleretail AG aus der Schweiz und Starship Technologies aus Großbritannien, haben bereits mit großem Erfolg Prototypen dieser neuen Technologie gebaut.

Sie werden von einem lokalen Hub aus gesteuert und verteilt. Die Technologie ähnelt der von selbstfahrenden Autos und umfasst Sensoren, Systeme für das maschinelle Sehen und GPS-Systeme, die die Navigation in Stadtgebieten unterstützen. Die Roboter von Starship können derzeit in einem Radius von 3 Kilometern liefern und benötigen dafür 5–30 Minuten.

Der Einfluss dieser Roboter könnte beträchtlich sein, da sie Pakete zu einem Bruchteil der Kosten liefern und durch ihre effizienten und umweltfreundlichen Systeme die Umweltbelastung reduzieren. Außerdem werden Lieferungen sicherer, wenn keine Menschen mehr in diese Aufgabe involviert sind.

Wie schnell könnten sie funktionieren? Starship hat im April angekündigt, bis zum Ende des Jahres 1.000 Fahrzeuge zum Einsatz zu bringen.

Lagerhaltung

Kollaborative Roboter

Die Deutsche Post DHL Group (DHL), das weltweit führende Post- und Logistikunternehmen, führt Tests mit kollaborativen Robotern in seinen Lagern in Europa durch, um die Produktivität und die Effizienz der Lieferkette beträchtlich zu steigern.

Die verwendeten Cobots sind Baxter und Sawyer von Rethink Robotics. Was genau machen sie? Sie assistieren Arbeitern beim Verpacken und bei Lageraufgaben.

Diese futuristischen Lagerarbeiter verfügen über geschickte Roboterarme und einen Bildschirm als Gesicht und sind mit komplexen Bildverarbeitungssystemen, Technologie zur Kraftmessung und fortschrittlicher Maschinenlernsoftware ausgestattet. Dadurch können Sie sicher neben Menschen arbeiten und dabei „mitdenken“.

Wie verändern sie die Branche?

„Indem diese Roboter in der Zusammenarbeit mit Menschen eingesetzt werden, können wir sicherstellen, dass sich unsere Produktionslinien an Veränderungen anpassen und das ganz Jahr über effizienter laufen“, so Adrian Kumar, Vice President of Solutions Design North America bei DHL Supply Chain.

Die Einführung von Cobots bedeutet außerdem, dass Lagerarbeiter sich nicht mehr mit stupiden und repetitiven Aufgaben befassen müssen. Dadurch werden ergonomische Probleme vermieden, und die Lagerarbeiter können lohnendere technische Aufgaben ausführen.

Autonome mobile Roboter

Baxter und Sawyer sind nicht die einzigen intelligenten Maschinen, die sich in Lagern und Verteilzentren ausbreiten. Intelligente Roboter mit Lasern und 360-Grad-Navigation bewegen sich ebenfalls über den Boden und erledigen andere sonst manuelle Logistikaufgaben im Handumdrehen.

Die Roboter des KIVA-Systems von Amazon gleiten schon seit einigen Jahren in Lagern auf der ganzen Welt durch die Gänge, um Waren aufzufinden, und bringen aufeinandergestapelte Regale zu den Lagerarbeitern, die dann das Kommissionieren, Verpacken und Versenden übernehmen.

Ähnliches lässt sich in den Lagern von Alibaba in China beobachten, wo Roboter inzwischen 70 % der Arbeit erledigen. Bei Ocado in Großbritannien bewegen sich Roboter über ein futuristisches riesiges Gitter, um Lebensmittel einzulagern und zu entnehmen.

Der e-Commerce nimmt immer weiter zu, und diese Roboter können die Effizienz steigern und die Kosten senken. Menschen müssen keine weiten Wege mehr auf sich nehmen, um Waren aus einem Lager mit möglicherweise Millionen von Artikeln zu holen, wodurch Zeit und Arbeitskraft eingespart und die Anzahl an Fehlern verringert wird. Während dies für Kunden schnellere Lieferungen am selben Tag bedeutet, bringt es für die Lagerarbeiter eine Veränderung der Verantwortlichkeiten mit sich:

„Viele dieser Arbeitsplätze erfordern eine geringe Qualifikation und können bald durch Automatisierung ersetzt werden […] Wir werden also eine grundlegende Veränderung in der Organisation der Logistikbranche erleben.“

John Manners-Bell, Beratungsfirma Transport Intelligence (in der Financial Times)

How robotic technologies are changing logistics

Quelle: Ioannis Oikonomou


Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben in der Lieferkette, wobei Unternehmen eine erhöhte Effizienz feststellen und Kunden sich über kürzere Lieferzeiten freuen können.

Die neuesten Anwendungen der Robotertechnik bringen in der Logistik Veränderungen und Vorteile im großen Rahmen.

Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben in der Lieferkette, wobei Unternehmen eine erhöhte Effizienz und Kostenersparnisse feststellen und Kunden sich über einen besseren Service und kürzeren Lieferzeiten freuen können.